Live aus Suzhou

31.08.2018

Anlagen- und Apparatebauer Simon Käppeli, Elektroniker Janick Lang und Konstrukteur Ralph Harmath sind in China angekommen. Von Juli bis August 2018 werden sie im Ausland arbeiten, um neue Perspektiven und interkulturelle Erfahrungen zu gewinnen.

Das Praktikum findet in Zusammenarbeit mit Integrate Chinese Life (ICL) statt, einer Organisation die sich Austauschprogrammen in China widmet. Vom gegenseitigen Know-how-Transfer profitieren beide Länder: China lebt eine aussergewöhnliche Entwicklung und Dynamik vor, die jungen Profis aus der Schweiz vermitteln die nötigen, praktischen Kenntnisse. Zudem werden durch den Auslandsaufenthalt persönliche Fähigkeiten wie Autonomie, Aufgeschlossenheit, Problemlösung und Kommunikationsfähigkeit gefördert. Konstrukteur Ralph Harmath teilt seine Erfahrungen im nachfolgenden Blog.


Ralphs Blog

Was bisher geschah...

Zunächst möchte ich einige Zeilen über mich selbst und die Zeit vor meinem China Abenteuer schreiben: Mein erster Job bei Schindler war ein Praktikum in der HR Abteilung, mit welchem ich die Zeit zwischen Matura und RS-Start überbrückte. So erfuhr ich zufällig von der Way-up Ausbildung als Konstrukteur. Statt wie üblich in vier Jahren, ist es mit einer bestandenen Matura möglich, eine verkürzte Ausbildung als Konstrukteur zu absolvieren. Die Berufsschule besuchte ich in den ersten beiden Bildungsjahren. In meinem nun verbleibenden dritten und letzten Bildungsjahr kann ich bereits mein Studium zum Wirtschaftsingenieur beginnen.

Nach der RS, einem Sprachaufenthalt in Kapstadt und einem viermonatigen Einsatz auf einer Baustelle begann ich im August 2016 die Way-up Ausbildung als Konstrukteur. Nach dem Basisjahr, welches viele, verschiedene Kurse beinhaltete, durfte ich mich im vergangenen Sommer der Large Project Division anschliessen. In dieser Abteilung werden spannende High-Rise Projekte aus der ganzen Welt bearbeitet. Unter High-Rise verstehen wir umgangssprachlich Wolkenkratzer, welche mit Aufzügen ausgestattet werden.

Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich letzten Sommer am Strand lag und Jans Blog aus Suzhou las. Meine Hoffnung, dass es sich dabei nicht um eine einmalige Sache handelt, wurde glücklicherweise bestätigt. Im Frühling dieses Jahres wurde ich angefragt, ob ich interessiert wäre, ebenfalls nach Shanghai zu reisen und für unser Team in China zu arbeiten. Selbstverständlich zögerte ich keine Sekunde, dieses Angebot anzunehmen. Ich freue mich riesig auf die neue Herausforderung.


31.08.2018
Woche 7 - Zurück nach Hause

Es ist bereits eine Woche her, seit ich China verlassen habe. Geplant war mein letzter Blog-Eintrag allerdings etwas früher. Kaum in der Schweiz angekommen, erwartete mich bereits mein nächstes Abenteuer, mein Studium. Es ist also höchste Zeit für einen letzten Rückblick auf meine Zeit in China.

Shanghai Skyline
Shanghai Skyline

Wie ich letzte Woche berichtete, reiste ich nach Hongkong, um ein dreitägiges Training über 3D-Modellieren, Fertigungszeichungen und Berechnungen zu geben. Die Mitarbeiter, welche ich schulte, arbeiteten erst seit zwei Monaten mit Creo und haben sich ihr gesamtes Wissen mittels YouTube Tutorials selbst erarbeitet.

Ich war sehr beeindruckt, wie viel sie bereits über das Programm wussten und konnte selbst einige neue Dinge lernen. Sie nahmen an, ich hätte bereits mindestens einen Bachelor in Maschinenbau und mehrere Jahre Arbeitserfahrung, obwohl ich meine Ausbildung vor erst zwei Jahren begonnen habe und mein Studium erst in dieser Woche starte. Dies zeigt einmal mehr, wie wertvoll das duale Bildungssystem der Schweiz ist. Eine Lehre gibt jungen Leuten die Möglichkeit, in kurzer Zeit ein breites Spektrum an Fähigkeiten zu erwerben.

Nach sechs Tagen in Hongkong verbrachte ich eine letzte Nacht in Shanghai, bevor ich am Freitagmorgen nach Hause reiste. Es ist schwierig, sieben ereignisreiche und intensive Wochen in einem einzigen Abschnitt zusammenzufassen. Ich sah, probierte, lernte und erfuhr so viel Neues. Trotzdem weiss ich, dass ich nur einen winzigen Teil dieses riesigen Landes gesehen habe. Auch weil Shanghai sehr kosmopolitisch geprägt ist und nicht ganz das «echte» China verkörpert. Es gäbe noch vieles zu sehen (z.B. die grosse Mauer in Peking).

Alles in allem, bin ich sehr dankbar, dass ich diese grossartige Chance erhalten habe und in einem solch interessanten Land am anderen Ende der Welt arbeiten durfte.


Jinji See
Sonnenuntergang am Jinji See

21.08.2018
Woche 6 - Hongkong entdecken

Meine Zeit in Shanghai neigt sich dem Ende zu. Am Mittwochabend wurde ich zum Abschiedsessen mit meinen Arbeitskollegen in ein japanisches Restaurant am Ufer des Jinji Sees eingeladen. Ich nutzte die Gelegenheit, um mich beim Team für die tolle Zeit mit ihnen zu bedanken. Ich habe den Eindruck, dass sie es sehr schätzten, dass ich nach China kam und mir Zeit nahm, sie zu unterstützen und mein Wissen zu teilen. Ich bin gespannt, wie effektiv mein Training war. Dies wird sich noch zeigen.

Victoria Peak
Auf der höchsten Stelle des Victoria Peaks

Am Samstagnachmittag flog ich nach Hongkong und kam um etwa fünf Uhr im Hotel an. Bereits die Fahrt vom Flughafen zum Hotel über die grosse Brücke, welche den Flughafen mit Hongkong Island verbindet war eindrücklich. Es sieht ziemlich futuristisch aus, wie die unzähligen Wolkenkratzer und mehrspurigen Strassen auf den kleinen zur Verfügung stehenden Platz gezwängt wurden.

Gemäss meinem Health App bin ich am Sonntag fast 20 Kilometer gelaufen und habe dabei 160 Stockwerke erklommen. Ich bin von meinem Hotel zu den Piers bei der Central Station gegangen, anschliessend zu den geschäftigen Strassen von Mong Kok auf dem Festland, wieder zurück zur Central Station, von wo aus ich SoHo erkundete.

Als Highlight des Tages wanderte ich hinauf zum Victoria Peak. Ich ging an der Aussichtsplattform vorbei bis ich bei der Sendeantenne an der allerhöchsten Stelle des Hügels ankam. Der Weg war ziemlich steil und der letzte Teil etwas abenteuerlich. Die wunderbare Aussicht ohne die Horden von Touristen zu geniessen war es aber absolut wert.


Fabrik in Suzhou
Fabrik in Suzhou

13.08.2018
Woche 5 - Fabrik in Suzhou

Zum ersten Mal hier in China hatte ich die Gelegenheit, die Fabrik in Suzhou zu besichtigen. Ich wurde von David begleitet, einem Supply Chain Manager aus dem Wallis. Gemeinsam überprüften wir die Qualität von verschiedenen Teilen und besprachen einige Probleme mit den Fabrikarbeitern.

Viele Komponenten die ich sah, kannte ich bisher nur von Fotos und PDFs und ich schätzte es, diese nun in echt betrachten zu können. Ebenfalls konnte ich meinen Chef und zwei andere Ingenieure bei einem Besuch von Sematic (Türlieferant) begleiten. Nach einer Kurzpräsentation über das aktuelle Türmodell verbrachten wir etwa zwei Stunden im Showroom und entwickelten Lösungsideen für gewisse Anwendungen ausserhalb des Standardbereichs.

Zum allerletzten Mal ging ich zum Schalter, um meine Zugtickets für die kommende Woche zu kaufen. Ich werde nur noch eine Woche in Suzhou arbeiten. Anschliessend werde ich nach Hong Kong fliegen, um eine ähnliche Schulung für die lokalen Konstrukteure und Ingenieure durchzuführen wie hier. Plötzlich realisiere ich, wie viele Dinge ich noch tun und wie viele Orte ich noch besuchen will und wie wenig Zeit dafür noch übrig bleibt…

West Lake
West Lake

Das einzige Mal, an dem am Sonntag die Sonne erschien, war im Namen selbst. Es regnete in Strömen. Nichtsdestotrotz machten wir uns auf nach Hangzhou (ungefähr eine Stunde im Schnellzug). Am Morgen benutzten wir eine Seilbahn, um zu einem buddhistischen Tempel auf einem Hügel zu gelangen. Dank dem schlechten Wetter waren nur wenige Touristen unterwegs. Obwohl die Sichtverhältnisse nicht optimal waren mochte ich die Ruhe, den Wind und die frische Luft.

Nach einer kurzen Wanderung und Dumplings zum Mittagessen begaben wir uns zum West Lake (ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe). Wir verbrachten den ganzen Nachmittag damit, am See entlang zu schlendern und die zahllosen, bunten Regenschirme zu beobachten, welche über die Brücken und Wege im Park zu schweben schienen.


07.08.2018
Woche 4 - Arbeiten in Suzhou

Liest man meine letzten Blog Einträge, könnte man meinen, ich sei in den Ferien. Dies ist natürlich nicht der Fall. Das Kennenlernen einer anderen Kultur ist zwar Teil meines Aufenthaltes, wie in Ebikon (Luzern) arbeite ich aber auch hier von Montag bis Freitag, jeweils acht Stunden pro Tag.

Tempel in Suzhou
Tempel in Suzhou

Einerseits arbeite ich an den selben Projekten wie ich es in der Schweiz tun würde. Dabei designe ich 3D Modelle, erstelle die dazugehörigen Fertigungszeichnungen an und prüfe meine Konstruktionen mit einfachen Berechnungen. Andererseits unterstütze ich meine Kollegen in diesen Bereichen. Dazu organisiere ich Schulungen und führe das Notebook in OneNote weiter, welches Jan letztes Jahr erstellt hat. Parallel dazu arbeite ich mit einzelnen Mitarbeitern an spezifischen Projekten und versuche, Gelerntes gemeinsam umzusetzen. Es gefällt mir, das Wissen, welches ich mir in den letzten beiden Jahren aneignen konnte, zu teilen und ich schätze es sehr, dass ich diese Chance erhalten habe.

Am vergangenen Wochenende hatte ich endlich die Chance, etwas mehr von der Stadt, in welcher ich arbeite, zu sehen als nur den Weg vom Bahnhof zum Büro. Einer meiner Arbeitskollegen lud mich am Freitag zum Abendessen bei sich zu Hause mit seiner Familie ein. Danach zeigte er mir die Altstadt von Suzhou. Am nächsten Tag besuchten wir den Lingering garden (UNESCO Weltkulturerbe), eine Tempelanlage (deren Name ich vergessen habe) und die Universität von Suzhou. Es war toll, diese traditionellen Orte mit einladenden, grünen Flächen zu besuchen. Im modernen Shanghai, sind solche Orte ziemlich schwierig zu finden.


31.07.2018
Woche 3 - Power Station of Art und Schweizer Nationalfeiertag

Für Samstagnachmittag war eigentlich ein Besuch des berühmten Fake market geplant. Anstatt mich der Gruppe anzuschliessen, um zu diesem ziemlich überfüllten Ort zu fahren, entschied ich mich aber, die Power Station of Art zu besuchen.

Power Station of Art
Power Station of Art

Die Power Station of Art (PSA) wurde am 1. Oktober 2012 gegründet und ist das erste staatliche Museum für zeitgenössische Kunst auf dem chinesischen Festland. Renoviert aus dem früheren Nanshi Kraftwerk wurde die PSA nach ihrem Umbau zunächst als Pavillion of Future der Shanghai World Expo (2010) genutzt. Das Museum steht nicht nur für den Wandel der Stadt, weg von der Industrie und hin zum IT Zeitalter, sondern dient mit seinem einfachen und geradlinigen Stil auch als Inspiration für viele Künstler. (www.powerstationofart.com)

Nachdem ich ca. drei Stunden im ehemaligen Kraftwerk verbracht habe, kann ich einen Besuch auf jeden Fall weiterempfehlen. Neben den tollen Kunstwerken und der bewundernswerten Architektur habe ich vor allem die stille Atmosphäre genossen. Es war eine willkommene Abwechslung zum eher hektischen Alltag in der Metropole, welche übrigens mehr als 24 Millionen Einwohner zählt.

In Hinblick auf den kommenden Nationalfeiertag der Schweiz folgten wir einer Einladung der Schweizer Gemeinschaft in Shanghai. Es war sehr interessant, andere Shanghai-Schweizer mit verschiedensten Beschäftigungen kennenzulernen. Ein Highlight war auch das köstliche Buffet, sowie die Unmengen an Schweizer Schokolade.


Tea tasting
Tea tasting

25.07.2018
Woche 2 - Tea tasting

Am Dienstagabend hatten wir zum ersten Mal Chinesisch Unterricht. Wir waren alle ziemlich überwältigt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal etwas Neues lernte und komplett bei null starten musste.

Als ich beispielsweise begann Spanisch zu lernen, machte ich relativ schnelle Fortschritte, da die meisten Wörter vom Französischen, Englischen oder Italienischen abgeleitet werden können. Im Gegensatz dazu, hat die chinesische Sprache keine Verbindung zu lateinischen Sprachen.

Mein Ziel, mehr als «Ni hao» (hallo) und «Xiè Xiè» (danke) sagen zu können, habe ich trotzdem erreicht. Mal sehen, ob ich nach den nächsten Lektionen noch etwas mehr kann als mich vorzustellen.

Für den Samstagnachmittag hat die ICL ein traditionelles tea tasting in der Tiashan tea city organisiert. Dies ist eine Art Einkaufszentrum, welches aus vielen kleinen Läden besteht, die ausschliesslich Tee und mehr oder weniger traditionelle Chinesische Kunst und Dekorationsgegenstände anpreisen.

Glücklicherweise war ein Chinese in unserer Gruppe, welcher fliessend Englisch und Französisch sprach, da er in Genf aufgewachsen war. Mithilfe seiner Übersetzungskünste lernten wir einige Dinge über die Chinesische Teekultur, welche hier einen sehr hohen Stellenwert hat. Vergleichbar mit der westlichen Vorliebe für Wein. Genauso wie hunderte von Franken für eine Flasche Bordeaux ausgeben werden, wird in China derselbe Betrag in exklusive, 12 Jahre gelagerte Teeblätter ausgeben, welche von sehr alten Bäumen in abgelegenen Gegenden Chinas geerntet wurden.

Nach einem eher späten Sonntagsbrunch suchten wir einen Supermarkt auf. Obwohl es sich um eine Filiale der französischen Marke Carrefour handelte, haben wir einige für uns eher ungewöhnliche Lebensmittel vorgefunden. Ich frage mich noch immer, warum sich jemand einen flachgewalzten, getrockneten Schweinekopf kaufen sollte, und darüber hinaus, wie man diesen überhaupt zubereitet.

Leider sahen wir auch viele Fische, Schildkröten und sogar Frösche, welche lebendig in winzige Kisten gepfercht waren. In Anbetracht der enormen Geschwindigkeit, mit der sich dieses Land verändert, hoffe ich, dass sich in naher Zukunft auch diesbezüglich Verbesserungen einstellen werden. Das Chili, welches Simon zum Abendessen kochte, war dennoch ausgezeichnet (und nein, es beinhaltete keine der oben genannten Zutaten – vielleicht beim nächsten Mal).


Schweizer Pass
Auf nach China

19.07.2018
Woche 1 - Hallo Shanghai!

Einen Pass, ein Smartphone und zwei Kreditkarten – mehr braucht es eigentlich nicht um zu Reisen. Dachte ich bis vor einer Woche. Bis dahin war ich es mir gewohnt, in (fast) sämtlichen Winkeln der Welt – Von den Wäldern Chiang Mais, über die Strassen von Kapstadt bis hin zu den Stränden in Holbox – mit diesen drei Utensilien sowie den vorhandenen Sprachkenntnissen zurechtzukommen.

In China trifft diese Aussage nicht mehr ganz zu. Ja, den Pass braucht man überall – ob zur Registration bei den lokalen Behörden, Eröffnung eines Kontos auf einer chinesischen Bank (mehr dazu später), Abschluss eines Monatsabos im Fitness, sogar um ein Zugticket zu kaufen, braucht man das kleine rote Büchlein.

Auch das Smartphone ist sehr hilfreich, allerdings mit einigen Einschränkungen: Viele unserer geliebten westlichen Applikationen wie WhatsApp, Instagram oder Uber sind in China gesperrt und nur mittels VPN App zugänglich bzw. nicht nutzbar (Uber gibt es hierzulande nicht).

Tatsächlich gibt es zahlreiche, bestimmt tolle lokale Apps wie WeChat, welches eine Kombination aus WhatsApp und Twint ist. Leider funktioniert zweitgenannte Funktion nur in Verbindung mit einem chinesischen Bankkonto, wobei wir beim nächsten Punkt angelangt wären. Westliche Kreditkarten wie Visa oder Master Card werden in China nicht akzeptiert. Bis ich also ein chinesisches Bankkonto habe und WeChat nutzen kann, muss ich wohl oder übel bar bezahlen, was hier sehr unüblich ist.

Abgesehen von den kleinen Schwierigkeiten im Alltag bin ich überrascht, wie schnell ich mich eingelebt habe. Metro fahren ist generell in jeder Stadt gleich, Taxi fahren und das Lösen des Zugtickets am Schalter funktioniert mittlerweile auch reibungslos (dank eines Printscreens des chinesischen Pendants von Google Maps, welches die jeweilige Destination zeigt).

Auch das Essen schmeckt mir bis jetzt. Beim ICL Welcome Dinner am Mittwoch wurden unzählige Teller mit diversen lokalen Gerichten aufgetischt. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an meine Eltern, welche mir bereits als ich klein war alles Mögliche zum Probieren gaben und mir so die Angst vor unbekanntem Essen nahmen.

Das Appartement, welches ich mit Janick und Simon teile, liegt mitten in der Stadt in der 36. Etage und bietet eine tolle Aussicht über die Stadt. Okay, eigentlich nicht ganz 36. Etage. Denn alle Etagen, welche eine vier enthalten würden, wurden weggelassen. Wie ich mal bei Galileo gelernt habe, ist das in China üblich. Die Vier gilt nämlich als Unglückszahl.

Schnellzug nach Suzhou
Schnellzug nach Suzhou

Nachdem ich mich am Mittwoch von der langen Reise erholen und einige administrative Dinge erledigen konnte, hatte ich am Donnerstag meinen ersten Arbeitstag in Suzhou. Um dahin zu gelangen, nehme ich zuerst die U-Bahn von meinem Appartement zum Bahnhof (glücklicherweise nur eine Station), dann den Schnellzug, welcher fast 300km/h schnell ist und zum Schluss das Taxi vom Bahnhof zum Büro.

Insgesamt brauche ich für einen Weg ca. 1h 15min. Das mag zwar etwas lange sein, trotzdem ist es relativ komfortabel. Wenn ich in der Schweiz mit dem ÖV zur Arbeit gehe, brauche ich auch beinahe eine Stunde. Lege allerdings nur etwa einen Fünftel der Distanz zurück, welche ich hier jeden Tag reise.

Mein erster Arbeitstag ist inzwischen eine Weile her. In dieser Zeit habe ich meine Mailbox geprüft (welche nach 6-wöchiger Absenz ziemlich voll war), mich und meine Mission dem Team vorgestellt und begonnen, PowerPoint Präsentationen und Schulungsmaterial zusammenzustellen. Ich freue mich sehr auf meine neue Rolle als Coach und hoffe, dass meine Teamkollegen von mir profitieren können, obwohl die meisten von ihnen über mehr Arbeitserfahrung verfügen als ich.

Shanghai Skyline
Shanghai Skyline bei Nacht

Ich bin gerade rechtzeitig für die LDP Sommerparty am Freitagabend angekommen. Bei einem Glas Wein machte ich Bekanntschaft mit Kollegen aus der ganzen Welt, aber auch mit einigen Schweizern, welche in Jiading arbeiten.

Meine Mission für Samstag war, alle Zugtickets für die kommende Woche zu kaufen, damit ich nicht jeden Tag Schlange stehen muss. Es dauerte eine Weile, dem Herrn am Schalter klar zu machen, dass ich jeden Tag von Shanghai nach Suzhou und wieder zurückreise.

Der Schalter war in der Nähe des Jing’an Tempels, wo man den allgegenwärtigen Kontrast zwischen Tradition und Innovation deutlich sehen kann. Natürlich musste ich auch the Bund besuchen, um die Skyline von Shanghai bei Nacht zu bewundern. Als wir am Samstag, bevor wir ausgingen, das erste Mal da waren, waren die Lichter leider bereits aus. Also unternahm ich am Montag einen erneuten Versuch, mit Erfolg. Es war beeindruckend!

Wir sind gerne für dich da.