Live aus Suzhou

11.09.2017

Im Rahmen des Talentförderprogramms und in Zusammenarbeit mit ICL (Integrate Chinese Life) senden wir dieses Jahr zum ersten Mal Lehrabsolventen nach China.

Während zwei Monaten bieten wir Diego Sanchez, Polymechaniker im Bereich Research & Development und Jan Blunschi, Konstrukteur im Bereich Top Range Division die Möglichkeit Ihre Kompetenzen im Ausland auszubauen.

  • Sie bauen ihr Selbstvertrauen weiter aus,
  • werden wertvolle interkulturelle Erfahrungen sammeln
  • und gewinnen eine globale Perspektive unserer Firma.

Jan Blunschi berichtet:

Mein Name ist Jan Blunschi, ich komme aus Rothenburg und habe vor kurzem meine Ausbildung zum Konstrukteur EFZ, mit Berufsmatura abgeschlossen. Die letzten beiden Bildungsjahre, die so genannte Schwerpunktausbildung, durfte ich in der Entwicklungsabteilung der Top Range Division absolvieren. Dort arbeitet ich vor allem an Kommissionslösungen für Hochleistungsaufzüge, die in sogenannten «Wolkenkratzern» zum Einsatz kommen.

Im November letzten Jahres wurde ich angefragt, ob ich Interesse an einem Praktikum bei Schindler in Shanghai (China) hätte. Das Praktikum sollte hauptsächlich über die Organisation ICL (Integrate Chinese Life) organisiert werden. Da nebst mir einige weitere Lernenden angefragt wurden, machte ich mir keine allzu grossen Hoffnungen. Meine Antwort war aber auf jeden Fall «ja».

Ein paar Monate später wurde es konkreter und ich wurde gefragt, ob ich zusammen mit Diego Sanchez (Polymechaniker im selben Lehrjahr wie ich) nach China reisen möchte. Ohne gross zu überlegen habe ich zugesagt, obwohl damals noch vieles in den Sternen stand.

Mit der Zeit kam schliesslich alles Wichtige zusammen und meine Aufgabenstellung für die zwei Monate wurde definiert: Ich habe den Auftrag zu analysieren, wie unser Team in China am CAD arbeitet und mittels Schulung ihre Arbeitsweise zu optimieren.

Am 9. Juli sass ich also gemeinsam mit Diego und drei weiteren Teilnehmern der ICL Praktika, im Flugzeug Richtung Osten. In den kommenden zwei Monaten werde ich nun wöchentlich über meine Erfahrungen und Eindrücke in China berichten. Ihr dürft gespannt sein.

Sicht aus dem Flugzeug
Auf dem Weg nach China

Woche 8 – Abschluss in Suzhou, Hongkong und Heimreise

Die Arbeitswoche startete mit vielen, kleinen Aufgaben und ich arbeitete, immer wenn ich Zeit hatte, an der Datenbank mit den Instruktionen weiter. Zusätzlich hatte ich Besprechungen bezüglich meines Projektes. Mittlerweile sind erste Bestellungen eingegangen. Eine Produktion ist jedoch erst möglich, wenn die Konstruktion überarbeitet wurde.

Der Mittwoch war mein letzter Tag in Suzhou. Aus diesem Grund standen vor allem Abschlussbesprechungen an, um das weitere Vorgehen für die noch nicht beendeten Projekte und Aufgaben zu besprechen. Beispielsweise konnte ich die Konstruktion für den Testturm in Jiading nicht beenden und wir beschlossen, dass ich diese in der Schweiz abschliessen werde. Ebenfalls fehlen einige Instruktionen und Beispielzeichnungen für die Datenbank, welche den chinesischen Ingenieuren inzwischen als Hilfsmittel zur Verfügung steht. Die Rückmeldungen zum momentanen Stand der Datenbank waren aber sehr positiv. Viele Kollegen haben mir bestätigt, dass sie bereits damit arbeiten und die Datenbank sehr hilfreich ist.

Team in Suzhou
Abschlussfoto mit meinem Team in Suzhou

Am Abend war ich bei Damon zum Abendessen eingeladen. Nachdem im Büro alles abgeschlossen war, gingen wir in den Supermarkt um Essen einzukaufen. Bei ihm Zuhause angekommen, stellte er mir zuerst seine Frau vor, dann gab es «Hot Pot». Wie erwartet schmeckte es extrem gut. Nach dem Essen und nachdem ich Damon ein kleines Abschiedsgeschenk überreicht hatte, ging es für mich zurück nach Shanghai. Dort hiess es Sachen packen, denn am Donnerstag flog ich bereits nach Hongkong.

Hot pot
Hot pot

Nach einem angenehmen Flug sass ich im Schnellzug, welcher den Flughafen in Hongkong mit der Stadt verbindet. Kurz darauf hatte ich im Hotel eingecheckt und mich bereits wieder auf den Weg zur Arbeit begeben. Ich hatte mit dem Leiter der dortigen Konstruktionsabteilung abgemacht, dass ich nach meiner Ankunft ins Büro komme, um das Vorgehen für den nächsten Tag zu planen.

Die Konstruktionsabteilung überlegte sich, Lizenzen für das 3D-CAD zu erwerben. Da dies jedoch eine grössere Investition wäre, wollten sie zuerst sehen, ob ihnen das Programm wirklich etwas bringt. Unsere Idee war deshalb, dass ich ein paar Projekte zeige, welche ich mittels 3D-CAD gezeichnet hatte und erkläre, wie man Modelle und Zeichnungen erstellen kann.

Am späteren Abend nutzte ich die Gelegenheit, um Hongkong zu entdecken. Obwohl ich nur ein paar Stunden Zeit hatte, beeindruckte mich die Stadt einerseits aufgrund ihrer Grösse und gleichzeitig ihrer Gepflegtheit und andererseits damit, wie multikulturell sie ist. Aufgefallen ist mir, dass hier, anders als ich es mir von den letzten zwei Monaten gewohnt war, praktisch jeder gut Englisch spricht.

Am Freitagmorgen stellte ich dann in einem etwa zweistündigen Meeting das CAD System und die damit verbundene Datenbank vor. Die anwesenden Personen waren beeindruckt, wie einfach mit dem Programm Daten erstellt, bearbeitet und abgerufen werden können. Während der Vorführung konnte ich viele Fragen beantworten, die für eine Entscheidung wichtig waren.

Am Mittag ging ich mit einer der Personen essen, welche das CAD zukünftig nutzen wird. Auch er war beim Meeting dabei und sehr positiv überrascht, wie das Programm funktioniert. Nach dem Essen führte er mich in der Umgebung herum und wir besuchten eine Aussichtsplattform in einem Turm neben dem Schindler Büro. Die Aussicht über die Stadt war wunderschön.

Blick über Hongkong
Blick über Hongkong

Dann hiess es für mich bereits wieder Abschied nehmen, denn mein Flug zurück nach Shanghai ging am selben Abend. Beim auf Wiedersehen sagen teilte mir der Abteilungsleiter mit, dass sie sich entschieden haben, zwei Lizenzen fürs Programm zu kaufen. Dies freute mich ausserordentlich.

Aufgrund eines starken Gewitters verspätete sich mein Rückflug nach Shanghai um knapp 2 Stunden und ich war erst nach Mitternacht zurück in meinem Apartment. Bevor ich am Samstagabend schliesslich meine Heimreise via Peking antrat, ging ich noch einmal zum Fake-Market, um meine letzten Yuan loszuwerden.

Die pünktliche Landung in der Schweiz und das Wiedersehen mit der Familie und meiner Freundin waren dann das Ende meiner zwei extrem spannenden, intensiven und erlebnisreichen Monate in China. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Chance angeboten bekommen habe und auch absolut glücklich, dass ich sie wahrgenommen habe. Ich hoffe, es gibt auch in Zukunft ähnliche Chancen für Lernende, denn was ich in China gelernt und erlebt habe, erfährt man in der Schweiz nur schwer.

Woche 7 – Schweizer Besuch, Fabrikbesichtigungen und Abschlusszeremonie

Am Montagmorgen reiste ich gemeinsam mit meinem Arbeitskollegen nach Suzhou und stellte ihn dem Team vor. Nachdem er sich eingerichtet hatte, arbeitete ich weiter an der Datenbank und kreierte Instruktionen. Am Abend begleiteten uns zwei chinesische Arbeitskollegen zu dem Hotel, in welchem mein Arbeitskollege diese Woche wohnen wird, um ihm beim Einchecken zu helfen. Gleich anschliessend führten sie uns in der Stadt umher.

Suzhou bei Nacht ist noch eindrücklicher als am Tag, da überall Beleuchtungen hängen, die eine tolle Atmosphäre zaubern. Zuerst schauten wir uns die Altstadt und einen rekonstruierten Teil der Stadtmauer an. Danach ging es an den See, der viele Brücken und einen schönen Pier hat. Die Stadt wird nicht umsonst «Venedig des Ostens» genannt. Überall gibt es kleine und grosse Flüsse, welche zwischen den Strassen und Häusern fliessen und mithilfe der vielen Brücken überquert werden können.

Lakefront bei Nacht
Lakefront bei Nacht

Bevor ich am Abend zurück nach Shanghai ging, arbeitete ich dienstags weiter an den Instruktionen. In Shanghai fand ein Treffen der Community der «Jungen Schweizer in China» (Young Swiss China) mit Leuten der Französischen, Schwedischen und Finnischen Organisationen statt. Neben Personen, die ich bereits kannte, traf ich dort auch viele neue, interessante Menschen, die alle hier in Shanghai wohnen und arbeiten.

Am Mittwoch ging es ein zweites Mal nach Jiading, wo wir von einem Maschineningenieur, einer Elektroingenieurin und einer Marketingperson durch die Rolltreppenfabrik geführt wurden. Diese ist eindrücklich gross und es war sehr spannend, mehr über das zweite Hauptprodukt unseres Konzerns zu erfahren. Danach musste ich betreffend eines Projektes für den Testturm einige Abklärungen mit dem dortigen Installationsleiter machen. Nach dem Mittagessen in der modernen Kantine besuchten wir den Showroom, wo verschiedene Kabinenauskleidungen und einige andere Produkte gezeigt werden. Wie ich, war auch mein Arbeitskollege sehr begeistert vom neuen Campus.

Am Abend traf ich mich mit den Leuten vom ICL Cup, um das Event, an dem Werbung für die Schweiz gemacht werden soll, zu besprechen. Leider kann ich selbst jedoch nicht teilnehmen, da ich nächste Woche für Schindler zwei Tage in Hongkong bin.

Showroom in Jiading
Schindler Showroom in Jiading

Am Tag darauf arbeitete ich wieder in Suzhou. Am Nachmittag wurde ich mit meinem Arbeitskollegen durch die dortige Aufzugsfabrik geführt. Diese stellt hauptsächlich Teile für die Kabine her. Am Abend organisierte das Team ein Abendessen in einem Restaurant mit traditionellen Gerichten von Suzhou. Bevor es ins Hotel ging kauften wir noch einige Souvenirs ein.

Die Zeit verging wie im Flug und am Freitag fand bereits die Abschlusszeremonie vom ICL Cup statt. Wir waren zu Gast bei Swissnex China, einer Organisation, die den Austausch zwischen Chinesischen- und Schweizer Institutionen fördert. Nachdem sich zuerst Swissnex, dann das Swiss Center und abschliessend Skilltrip, ein neues Start-up der ICL Organisatoren, vorgestellt hatten, folgte ein kurzer Rückblick auf das erlebte. Am Ende erhielten wir alle ein Zeugnis, welches unsere Teilnahme am zweimonatigen Programm bestätigt. Nach der Abschlusszeremonie nahmen uns die Organisatoren vom Cup mit in den Ausgang, um auf die spannende und erfolgreiche Zeit anzustossen.

Gemeinsam mit einem meiner Mitbewohner ging ich nach dem Ausschlafen am Samstag in ein Shoppingcenter, um ein paar Souvenirs und andere Sachen zu kaufen. Besonders lange verweilten wir im Store von Xiaomi, einer Chinesischen Marke für Smartphones, Computer und andere elektronische Geräte zu guten Preisen.

Die Sprachschule wurde vom Samstag auf den Sonntag verschoben, weshalb wir am Sonntag früher als gewohnt wach waren. Nach der Sprachschule drehten wir ein kurzes Abschlussvideo mit ICL. Anschliessend gingen wir zusammen mit ihnen an den Fake-Market, um einen kleinen Wettbewerb zu veranstalten. Wir alle erhielten 50 RMB und das Ziel war es, damit das «beste» Produkt zu finden.

Ich habe mich für ein seidenes T-Shirt mit Koi Karpfen entschieden, gewonnen hat ein Blumentopf, der gleichzeitig Bluetooth Lautsprecher ist. Zum Abschluss der Woche assen wir in einem Restaurant der muslimischen Minderheit Abendessen. Zum Schluss ging ich sehr müde ins Bett aber mit dem Wissen, eine weitere grossartige Woche erlebt zu haben.

Woche 6 – Jiading, Kurs, Festival und Hangzhou

Dies ist bereits der Bericht meiner drittletzten Woche hier in China und noch immer erlebe ich praktisch jeden Tag neue, spannende Dinge. Am Montag startete ich die Woche mit Vorbereitungen für einen Kurs über das Erstellen normgerechter Zeichnungen für Biegeteile. Neben einer Checkliste und einer Beispielzeichnung bereitete ich für die Leute meiner Abteilung eine PowerPoint Präsentation vor, die alle wichtigen Punkte einer solchen Zeichnung näher erklärt.

Testturm Jiading
Testturm in Jiading

Am Dienstagmorgen fand die Quartalspräsentation der Top Range Division von China auf dem neuen Campus von Schindler in Jiading statt. Anschliessend, nach der Präsentation und dem Mittagessen, besuchten wir den neuen, über 200 Meter hohen Testturm auf dem Fabrikgelände. Ich war sehr beeindruckt von der ganzen Fabrik. Alles ist extrem riesig, modern und super organisiert.

Den Rest des Nachmittags arbeitete ich in Jiading. Von dort aus gings dann direkt wieder zurück nach Shanghai. Dank der Metro und den Schindler eigenen Shuttlebussen war das Reisen zwischen meinem Apartment und der Fabrik sehr angenehm. Zumindest im Vergleich zur Reise nach Suzhou, welche ich am Tag darauf wieder machte.

Am Mittwoch fand der Kurs statt, den ich am Montag vorbereitet hatte. Ich führte diesen insgesamt zwei Mal durch. Einmal mit meiner Abteilung und einmal mit der Konstruktionsabteilung der Fabrik in Suzhou. Beide waren sehr daran interessiert, was ich ihnen zu zeigen hatte. Im Anschluss an den Kurs gab ich ihnen Zugriff auf die Datenbank, wo ich Checklisten, CAD Anleitungen und auch Zeichnungsnormen abgelegt hatte.

Ähnlich spannend ging es am Donnerstag weiter. Zusammen mit zwei Leuten meines Teams gingen wir zu einem Lieferanten in Suzhou, der einen Prototypen meiner Konstruktion angefertigt und zum Vorführen aufgebaut hatte.

Den ganzen Morgen verbrachten wir damit, mit den Ingenieuren des Lieferanten über Probleme bei der Herstellung zu sprechen und die Teile auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen. Dabei stellte sich heraus, dass einige Angaben auf den Zeichnungen nicht deutlich genug gemacht sind und dass die Konstruktion mit einigen kleinen Anpassungen wesentlich günstiger gemacht werden könnte. Den Rest der Woche arbeitete ich weiter an der Konstruktion für den Testturm in Jiading.

Das Wochenende begann mit einem Abstecher in ein Stück der chinesischen Ausgangskultur: Karaoke war angesagt. Zu siebt mieteten wir uns einen Karaoke-Raum, wo wir unsere Gesangskünste testeten. 

Am Samstag besuchten wir das «Life in color» Musikfestival, das Amerikanische Festival wurde dieses Jahr zum ersten Mal in China aufgeführt und wir hatten per Zufall davon mitbekommen. Neben der hauptsächlich elektronischen Musik ist das Highlight dieses Festivals, dass man davon ausgehen kann, komplett farbig nach Hause zu kommen.

Zum einen können die Besucher Farbflaschen kaufen und damit alle anderen bekleckern, zum anderen wird von der Bühne immer wieder mit Farbe in die Menge gespritzt. Auch unsere weissen Kleider sahen am Ende aus wie Regenbögen. Ähnlich wie in Peking, waren wir auch hier praktisch die einzigen westlichen Besucher, weshalb wir wieder von vielen als Fotoobjekt benutzt wurden. Selbst die Fotografen des Veranstalters hatten Freude an uns.

Life in color
Jan und Diego am "Life in color" Festival

Am Sonntag machten wir mit ICL einen Ausflug nach Hangzhou, eine Nachbarsstadt von Shanghai. Wir besuchten dort einen aktiven buddhistischen Tempel. Am Abend landete mein Fachvorgesetzter in Shanghai, der die nächste Woche zusammen mit mir in Suzhou arbeiten wird. Da ich ihn am Flughafen Pudong am Rand der Stadt abholen ging, musste ich schon sehr früh wieder zurückreisen. Es war jedoch trotzdem spannend, den Tempel und die dort betenden Buddhisten zu sehen.

Buddhistischer Tempel
Platz vor dem buddhistischen Tempel

Der Flug landete glücklicherweise ohne Verspätung. Nachdem wir uns im riesigen Flughafen gefunden hatten, fuhren wir mit der Magnetschwebebahn in Richtung Zentrum von Shanghai. In der kurzen Zeit, die wir dort noch zur Verfügung hatten, zeigte ich ihm die grössten und eindrücklichsten Gebäude der Stadt. Im Anschluss assen wir. Nachdem ich ihn mit einem Taxi zu seinem Hotel gebracht hatte, ging ich in mein Apartment.

Woche 5 - CAD-Modell, Schlange, Peking und die Chinesische Mauer

Meine fünfte Woche in China begann mit einem dringenden Auftrag. Für ein Meeting mit einem Kunden, welches für Mittwoch geplant war, musste ich zu Showzwecken ein CAD-Modell eines Liftschachtes erstellen. Die ersten beiden Wochentage arbeitete ich deshalb nur an diesem Modell, damit es rechtzeitig fertig wurde. Den Rest der Woche beschäftigte mich eine Konstruktion für unseren Testturm in der neuen Fabrik in Jiading, welchen ich nächste Woche besuchen werde.

Lebendige Wasserschlange
Verkäufer mit lebendiger Wasserschlange

Am Dienstagabend besuchte ich zusammen mit meinen zwei Mitbewohnern eine Strasse in Shanghai mit vielen chinesischen Restaurants. Neben klassischen Gerichten konnte man dort auch für uns sehr Ungewohntes probieren. Wir wagten uns, Wasserschlange zu kosten. Auch wenn sie nicht sonderlich gut schmeckte, wird mir dieses Erlebnis bestimmt lange in Erinnerung bleiben.

Wie im letzten Bericht bereits erwähnt, ging es dieses Wochenende mit der Gruppe nach Peking. Damit sich die lange Reise lohnt, haben wir am Freitag alle frei genommen. Um 5:30 Uhr mussten wir aus dem Haus in Richtung Hongqiao Bahnhof, wo schliesslich die rund fünfstündige Zugfahrt begann.

Angekommen in der Hauptstadt, checkten wir ins Hotel ein und machten uns dann sofort auf den Weg in Richtung Sommerpalast. Das ist eine riesige und sehr eindrückliche Anlage mit alten Palästen und einem See. Es waren hauptsächlich chinesische Touristen dort und da wir als Europäer für die Chinesen etwas Aussergewöhnliches sind, wurde unser Aufenthalt fast schon zum Fotoshooting-Termin. Sowohl sie als auch wir hatten dabei unseren Spass.

Am Abend folgte der Besuch des Olympia Parks, wo 2008 die olympischen Sommerspiele ausgetragen wurden. Das Wetter machte uns aber einen Strich durch die Rechnung, denn nach kurzer Zeit fing es an, stark zu Stürmen. Was wir gesehen haben, faszinierte mich aber sehr.

Summer Palace
ICL Gruppe im Summer Palace

Am Samstag führte uns ein Tourguide zur Chinesischen Mauer. Nach einer rund zweistündigen Autofahrt und einer halbstündigen Wanderung in die Höhe standen wir schlussendlich vor einem der berühmtesten Bauwerke der Welt. Wir alle waren begeistert vom Anblick der Mauer, welche sich über die Hügel schlängelt soweit das Auge reicht. Wir machten ein paar Fotos, liefen ein Stück auf der Mauer und assen eine Kleinigkeit, bevor wir wieder nach unten wanderten.

Zurück in Peking ging es nach einer kurzen Pause im Hotel in ein Restaurant, um die bekannteste Spezialität der Stadt, nämlich Pekingente zu essen. Es schmeckte uns allen super und war eine gute Stärkung, um Peking noch etwas bei Nacht zu erkunden.

Chinesische Mauer
Blick über die Chinesische Mauer

Am Sonntag besuchte ich den Perlenmarkt, wo nebst Perlen auch viele Kleider, Schuhe und elektrische Geräte angeboten werden. Ich kaufte ein paar Souvenirs für mich und Geschenke für meine Familie. Danach machte ich mich auf den Weg Richtung Downtown von Peking, einem alten Stadtteil mit vielen Restaurants und Touristenläden. Das war dann auch bereits das Ende meines leider kurzen aber sehr interessanten Aufenthaltes in Peking.

Zurück in Shanghai wurde mir einmal mehr vor Augen geführt, dass ich in einer Grossstadt lebe. Als wir ein Taxi nehmen wollten um nach Hause ins Apartment zu fahren, erstreckte sich eine riesige Schlange durch den Bahnhof. Nach rund eineinhalb Stunden Wartezeit hatten wir es dann aber endlich in eines der über 60'000 Taxis von Shanghai geschafft.

Woche 4 - 1. August, CAD Probleme, Videokonferenzen und Tee Zeremonie

Am Dienstag war der 1. August. Auch wenn wir weit weg von der Schweiz sind und jeder von uns arbeiten musste, feierten wir unseren Bundesfeiertag am Abend gebührend beim Fondue in einem echten Schweizer Restaurant.

Am Mittwoch war wieder Badminton in Suzhou angesagt und im Anschluss assen wir in einem Restaurant mit traditionellen Gerichten aus Suzhou. Das Highlight war «Suzhou Fisch». Das ist ein Fisch, der so aufgeschnitten ist, dass er an einen Igel erinnert. Danach wird er frittiert und mit einer süsssauren Sauce übergossen. Schmeckt genauso gut wie’s aussieht.

Suzhou Fisch
Suzhou Fisch

Bei der Arbeit beschäftigten mich diese Woche vor allem Probleme mit meinem CAD Programm, welche aber schlussendlich mit Hilfe des CAD Supports gelöst werden konnten. Zudem habe ich ab dieser Woche zweimal wöchentlich eine Besprechung mit den Chinesischen Ingenieuren, bei welcher sie mir Fragen stellen können und Probleme beschreiben, die sie im Umgang mit dem Zeichnungsprogramm haben. Anschliessend bereite ich zu den jeweiligen Themen eine Instruktion vor, die später in einer Datenbank abgelegt und den Ingenieuren zur Verfügung gestellt wird.

Da inzwischen viele Teamkollegen aus der Schweiz von ihren Sommerferien zurückgekommen sind, konnte ich diese Woche auch einige Videokonferenzen führen, die für mein weiteres Vorgehen wichtig waren. Unter anderem beschlossen wir, dass ich mich hauptsächlich auf das Weitergeben von zeichnungstechnischem Knowhow konzentrieren soll. Auch diverse Rückmeldungen zum Projekt, welches in Suzhou industrialisiert wird, konnten wir in den Konferenzen besprechen. Während der Herstellung wurden nämlich einige Punkte gefunden, welche für die finalen Produktionszeichnungen nochmals überarbeitet werden müssen.

Kunstviertel M50
Auf dem Weg ins Kunstviertel M50

Am Wochenende ging es nach der Sprachschule ins Kunstviertel M50, wo viele unterschiedliche Künstler ihre Werke zum Kauf anbieten. Danach besuchten wir ein Shoppingcenter mit ungefähr 200 verschiedenen Teeläden. In einem der Läden durften wir bei einer Tee Zeremonie viele verschiedene chinesische Tees kosten und anschliessend kaufen. Am Sonntag besuchte ich einen riesigen Kleidermarkt, bei dem auf fünf Stockwerken Kleidung Chinesischer Hersteller angeboten wird. Später besuchte ich nochmals Pudong. Ich bin immer noch fasziniert, wie gross dort alles ist und auch vom Fakt, dass da vor 25 Jahren noch Bauern ihre Felder bewirtschafteten.

Diese Woche buchten wir zudem einen Wochenendausflug nach Peking, den wir nächste Woche machen werden. Ich freue mich riesig darauf, Chinas Hauptstadt und die Chinesische Mauer zu sehen.

Tee Zeremonie
Tee Zeremonie

Woche 3 - Hitze, Aussicht, Fabrikbesuch und Suzhou

Die neue Woche startete mit gleich warmen Temperaturen, wie die Letzte endete. Mit rund 43°C, gefühlt 53°C, wurde am Dienstag der Höhepunkt erreicht. Selbst dem Elektrizitätswerk war’s zu heiss und so wurde an diesem Tag Realität, was für mich unvorstellbar war. Der Strom fürs Schindler Werk in Suzhou wurde limitiert, so dass nur noch die IT Infrastruktur versorgt werden konnte. Dies hatte zur Folge, dass um 13 Uhr bereits alle nach Hause gehen durften.

Putuo District

Da ich an diesem Tag wegen meinem Visum sowieso in Shanghai war, reiste ich nicht nach Suzhou. Stattdessen nutzte ich gegen Abend die Gelegenheit, um die Aussichtsplattform des Shanghai Towers zu besuchen. Der Tower ist mit unvorstellbaren 632 Metern Höhe das zweithöchste Gebäude der Welt. Ausserdem ist er mit dem weltweit schnellsten Aufzug ausgestattet, der mit 18m/s nach oben fährt. Da ich kurz vor Sonnenuntergang oben angekommen war, konnte ich Shanghai sowohl bei Tag, als auch bei Nacht betrachten. Was für eine Aussicht!

Sicht auf Shanghai
Shanghai kurz vor Sonnenuntergang
Besuch bei Helece
Fabrikbesuch bei Helece

Im Büro war ich diese Woche einerseits mit einem Projekt von Ebikon und andererseits damit beschäftigt, mir Kenntnisse im Umgang mit den CAD-Modellen unserer neuen Produkte anzueignen. Am Freitagmorgen besuchte ich gemeinsam mit Damon das Werk von Helece, einem Lieferanten für Stahlbauteile, der etwa eine halbe Stunde von unserer Fabrik in Suzhou entfernt ist.

Hier wurde mir bewusst, wie wichtig es in China ist, Chinesisch sprechen zu können. Die Ingenieure von Helece sprachen keine andere Sprache. Während unserer Besprechung holte einer der Ingenieure einen Stapel Zeichnungen hervor. Ich war erstaunt und erfreut, als ich bemerkte, dass viele der Zeichnungen von mir waren.

Auch neben der täglichen Arbeit und dem Besuch des Shanghai Towers lief diese Woche viel. Am Donnerstag folgte ich der Einladung von ICL, um beim Organisieren eines Events mitzuhelfen, bei welchem Werbung für die Schweiz gemacht wird. Nach einem gemeinsamen Brainstorming nahm jeder den Auftrag mit nach Hause, sich etwas auszudenken, womit wir den Leuten in China die Schweiz näherbringen können.

Tiger hill
Tiger hill

Das Wochenende begann mit einem, von ICL organisierten, «Hello weekend drink».

Nach dem Chinesisch-Unterricht am Samstag ging ich in ein Museum für moderne Kunst und danach an die 1. August Feier des Swiss Club Shanghai. Dort gab es alles, was das (Schweizer-) Herz begehrt: Raclette, Kartoffelsalat oder Lindor Kugeln. Ich traf sogar einige Schindler Mitarbeiter.

Da ich unter der Woche kaum Zeit in Suzhou habe, verbrachte ich den Sonntag mit jemandem aus meiner Gruppe dort. Die Stadt hat einiges zu bieten. Wir besuchten sehr traditionsreiche Orte wie den Tiger Hill und die Altstadt von Suzhou, aber auch moderne Plätze wie den Industrial Park, wo sich das bekannte «Gate to the East» befindet.

Auch fragwürdige Orte wie das Xiangcheng Quartier, in welchem lauter Kopien westlicher Gebäude wie beispielsweise der Tower Bridge (London) stehen, besuchten wir. Besonders aufgefallen ist mir, dass hier im Vergleich zu Shanghai viel gebaut wird. Ich bin gespannt, wie Suzhou in fünf bis zehn Jahren aussehen wird.

Woche 2 - Vorurteile, Badminton, Sprachkurs und «Fake Market»

Meine zweite Woche in China begann wie angekündigt: Ich traf mich mit einem unserer Ingenieure aus Jiading, welcher eine meiner Konstruktionen industrialisieren wird. Ich stellte ihm und seinen Teamkollegen zuerst meine Konstruktion vor und beantwortete anschliessend ihre Fragen. Da sie sich zwischendurch auf Chinesisch unterhielten, war die ungefähr einstündige Frage-/Antwortrunde ungewohnt für mich. Schlussendlich liefen aber alle zufrieden aus dem Sitzungszimmer, was mich erleichterte. 

Am Abend desselben Tages stand die Eröffnungszeremonie seitens ICL auf dem Programm. Bei der Zeremonie durften wir mehr über den Hintergrund und das Ziel unseres Aufenthaltes in China erfahren. Die Organisatoren erklärten uns, weshalb es für die Schweiz wichtig ist, junge Leute zu haben, die Chinas Kultur verstehen und weshalb dies für China ebenfalls Vorteile bringt. Zudem wurden wir auf Vorurteile, die wir vor unserer Ankunft hatten, angesprochen. Ich muss zugeben, dass sich vieles, was ich von China erwartet habe, nicht bewahrheitet hat.

Firmeneigene Badmintonhalle
Beim Badminton mit Teamkollegen

Am Mittwoch übernachtete ich in einem Hotel in der Nähe des Schindler-Geländes in Suzhou, was mir erlaubte, mein Team ausserhalb des Büros besser kennenzulernen. Gleich nach der Arbeit gingen wir zu viert in die firmeneigene Badmintonhalle und spielten dort etwa eineinhalb Stunden fleissig Badminton. Obwohl mir die anderen überlegen waren, machte es sehr viel Spass.

Wie bereits die ganze Woche, war es auch an diesem Tag rund 40°C. In einer Halle ohne Klimaanlage zu spielen, war deshalb sehr anstrengend und es versteht sich von selbst, dass wir am Ende alle komplett verschwitzt waren. Das gemeinsame Abendessen hatten wir uns auf jeden Fall verdient.

Meine Arbeitswoche war ebenso abwechslungsreich wie herausfordernd. Beschäftigt war ich vorwiegend mit dem Schreiben von CAD-Instruktionen und diversen Abklärungen zu meiner Konstruktion, die momentan industrialisiert wird. Dabei zeigte sich, dass es ein grosser Vorteil ist, wenn man vor Ort mit den Leuten reden kann und nicht alles telefonisch oder per E-Mail klären muss.

Fake Market
Eingang des «Fake Markets»

Am Samstagmorgen absolvierte ich in einer Sprachschule in Shanghai meine ersten Chinesisch-Lektionen. Es war interessant, zu sehen wie die Sprache aufgebaut ist und was die Hintergründe der Schriftzeichen sind. Nach einer generellen Einführung lag der Schwerpunkt des Unterrichts vor allem bei der Aussprache der Vokale.

Am Sonntag rief der «Fake Market». Dies ist ein grosser Markt, auf dem fast ausschliesslich Fälschungen von Markenprodukten wie Uhren, Schuhe oder Kopfhörer verkauft werden. Obwohl ich erstaunt darüber war, wie gut die Produkte gefälscht waren, habe ich nichts davon gekauft. Um mich vom Rummel am Markt zu erholen, besuchte ich am späteren Nachmittag den Century Park, welcher direkt oberhalb des «Fake Markets» zu finden ist. Der Park ist beeindruckend gross und war für mich ein würdiger Abschluss einer grossartigen Woche.

Woche 1 - Alles neu für mich

Mit dem Fahrstuhl geht es von unserem Apartment im 19. Stockwerk nach unten auf die Strasse, dann auf die U-Bahn, von dort aus auf den fast 300 km/h schnellen Zug und schlussendlich mit dem Taxi zum Schindler Firmengelände. So lässt sich mein rund eineinhalbstündiger Arbeitsweg von Shanghai nach Suzhou am schnellsten beschreiben.

Am Dienstag nahm ich diesen Weg zum ersten Mal in Angriff und dabei ist mir eines besonders aufgefallen: Wie viel hier für die Sicherheit investiert wird. Dies zeigt nicht nur die extrem hohe Polizeipräsenz, sondern auch die Tatsache, dass man zum Beispiel ohne Reisepass weder ein Zugticket, noch Zutritt zum Bahnhof erhält. Auch die obligatorischen Taschenscans vor dem Betreten des Bahnhofs waren für mich ungewohnt.

Da ich für eine längere Zeit in China bleibe, musste ich ausserdem einen medizinischen Test über mich ergehen lassen. Dieser beinhaltete unter anderem Röntgen, einen Ultraschalluntersuch, einen E.K.G.-Untersuch und das Abgeben einer Blutprobe. Die Durchführung des gesamten Tests erinnerte mich etwas an die Aushebung der Schweizer Armee.

Den ersten Arbeitstag erlebte ich als eher ruhig. Damon, meine Ansprechperson hier in Suzhou, wies mir einen Arbeitsplatz zu, den ich sogleich einrichten konnte. Danach machte ich mich daran, die mir mitgegebene Aufgabe zu planen. Am Mittag wurde ich von meiner Abteilung zu einem traditionellen, chinesischen Essen eingeladen. Wie alles, was ich hier bis jetzt gegessen habe, hat es mir sehr geschmeckt. Meine neuen Teammitglieder waren sogar fast etwas enttäuscht, als ich problemlos mit den Stäbchen zu essen begann, denn sie haben für mich bereits eine Gabel bereitgelegt.

Schindler Suzhou
Firmenareal von Schindler Suzhou

An meinem zweiten Arbeitstag war mein Chef anwesend und wir besprachen am morgen früh seine Ideen für meinen Einsatz. Nebst der geplanten CAD-Schulung kamen weitere Punkte dazu. Den Rest der Woche verbrachte ich dann hauptsächlich damit, mich zu organisieren und mich für die nächste Woche vorzubereiten. Am Montag werde ich mich nämlich mit einem Ingenieur der Fabrik in Jiading treffen. Er arbeitet daran, eine meiner Konstruktionen zu industrialisieren und möchte dazu ein paar Fragen mit mir klären.

So schnell wie möglich habe ich natürlich auch begonnen Shanghai zu erkunden. Ich bin fasziniert, wie gross alles ist und gleichzeitig überrascht von den Menschenmassen, die hier über die Strassen gehen. Besonders imposant finde ich das Wahrzeichen der Stadt, nämlich die Skyline vom Stadtteil Pudong, welche von der anderen Seite des Flusses Huangpu sehr gut betrachtet werden kann.

Skyline Pudong
Jan mit der beeindruckenden Skyline von Pudong

Glücklicherweise musste ich nie ganz alleine losziehen, da wir in einer kleinen Gruppe nach China gereist sind. Obwohl die Gruppe aus Deutschschweizern und Französischsprechenden besteht, klappt die Kommunikation einwandfrei. Uns allen gefällt es bis jetzt in China sehr gut und nach ein paar kleinen Startschwierigkeiten, habe ich mich inzwischen ans Meiste gewöhnt. Ich bin gespannt, was mich in den nächsten Tagen alles erwarten wird.


Wir sind gerne für dich da.