23.06.2015

Schindler Berufsbildung machte den Myanmaren Eindruck

Nur kurz nach dem amerikanischen Arbeitsministerium besuchte am 19. Juni 2015 auch eine hochrangige Delegation von Myanmar die Schindler Berufsbildung in Ebikon. Die Myanmaren zeigten sich beindruckt von der Qualität des dualen Berufsbildungssystems der Schweiz und von den bei Schindler in Ebikon angebotenen Lehrberufen.

Schindler Berufsbildung
Der angehende Anlagen- und Apparatebauer Dario Nietlispach informiert die Gäste aus Myanmar über seine Arbeit.

Seit 1999 ist Jardine Schindler mit einem eigenen Büro in Yangon und zwei Filialen in Naypyidaw und Mandalay im sich wirtschaftlich öffnenden Myanmar präsent. Seit dieser Zeit bildet Schindler in Myanmar auch auf eigene Inititiative und seit diesem Frühjahr in Zusammenarbeit mit dem „Center for Vocational Training Myanmar“ (CVT) junge Berufsleute für den wachsenden einheimischen Markt aus.

Die Ausbildung dauert ein Jahr. Die Kandidaten, pro Jahr 20 – 25 an der Zahl, werden in den Grundlagen des Elektrikers (durch das CVT) und des Mechanikers (Schindler) ausgebildet, und verbringen pro Woche 2-3 Tage im Feld, um das Gelernte anzuwenden. Als Meisterarbeit müssen sie selbständig zwei Schindler 3300 montieren können. Am Schluss erhalten die erfolgreichen Absolventen der Ausbildung ein Zertifikat, das ihnen eine Karriere als Monteur oder Servicetechniker in der Aufzugsindustrie eröffnet.

Wenn es um die industrielle Berufsbildung in Myanmar geht, ist Schindler eines der Vorzeigeunternehmen im noch immer stark agrarisch geprägten asiatischen Staat mit seinen 55 Mio. Einwohnern. Das betonten Mitglieder der Delegation von Myanmar an der Besichtigung der Schindler Berufsbildung vom 19. Juni in Ebikon mehrfach. Angeführt wurde die 26köpfige Delegation vom stv. Minister für Arbeit, Beschäftigung und sozialer Sicherheit, Htin Aung und vom stv. Generaldirektor des Ministeriums für Hotellerie und Tourismus, Hlaing Oo.

Die Myanmaren erhielten durch Bruno Wicki, Leiter der Schindler Berufsbildung, einen vertieften Einblick in die angebotenen Lehrberufe und das Ausbildungskonzept von Schindler in der Schweiz. Ergänzt wurden seine Ausführungen durch jene von Christof Spöring, der über die Angebote der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern informierte. Zudem stellte Tino Renggli, Geschäftsführer von Swissmechanic Zentralschweiz, die Arbeit seines Verbandes vor. Dieser bietet in der Schweiz überbetriebliche Kurse in Mechanik und Automation für KMUs an.

Detailliert berichtete schliesslich der Präsident von „CVT Myanmar“, Heini Portmann, über die Arbeit des gemeinnützigen Förderereins für Berufsbildungsprojekte in Myanmar, der mit Schindler eine enge Zusammenarbeit pflegt. Der Verein führt seit 2002 in Yangon eine Modellschule für Berufsbildung, basierend auf der Schweizer Berufslehre. Mittlerweile besuchen in Yangon rund 530 Lernende die dreijährige Berufslehre am CVT und qualifizieren sich für eine von fünf Lehrberufen.

Alle Lernenden haben einen Arbeitsvertrag mit einem Unternehmen der Industrie und erhalten – gleich wie in der Schweiz – einen Lehrlingslohn. Die Experten und der Vorstand des Fördervereins in der Schweiz arbeiten ehrenamtlich und erhalten nur Kost und Logie.

Schindler Berufsbildung
Der Polymechanikerlehrling Tobias Herzog demonstriert an einer Bohrmaschine im Schindler Berufsbildungszentrum der Delegation von Myanmar die Bearbeitung eines Metallteiles. Links der Leiter der Delegation, H.E. U Htin Aung, stv. Minister für Arbeit, Beschäftigung und sozialer Sicherheit.

Mit grossem Interesse nahm die Delegation von Myanmar anschliessend die Gelegenheit wahr, bei einem Schindler Werkrundgang mit dem Ausbildner der Elektronikerlernenden, Hubert Ammann, sowie mit dem Polymechanikerlehrling Tobias Herzog und dem angehenden Anlage- und Apparatebauer Dario Nietlispach ins Gespräch zu kommen und ihnen bei der Arbeit über die Schultern zu schauen.

In der abschliessenden Austauschrunde nach dem Mittagessen zogen die 30 Vertreter aus Politik, Industrie und Ausbildungswesen aus Myanmar eine offene und auch selbstkritische Bilanz des Gesehenen. Man war einerseits beeindruckt von der Qualität und dem systematischen Aufbau des dualen, föderalistischen Schweizer Berufsbildungssystems und dem grossen Engagement der Wirtschaft in der Berufsbildung.

In Myanmar ist der Staat nur aktiv als Träger der obligatorischen Volksschule und der universitären Ausbildung, nicht aber in der Berufsbildung. Es fehlt dem armen Myanmar an allem: An Trainern, Ausbildnern und Experten, an einer fehlenden Berufsschulinfrastruktur und nicht zuletzt an staatlichen Finanzen. Und es fehlt, wie mehrere Vertreter der Delegation einräumten, an einem entschlossenen Engagement der Privatindustrie für die Berufsbildung, oder wie ein Vertreter der Delegation aus Myanmar nüchtern einräumte: „Ich glaube nicht, dass wir unsere Unternehmen dazu animieren können, Ausbildungsplätze zu schaffen.“

Nicht zuletzt darum ist man in Myanmar froh um jede neue Ausbildungsinitiative von Unternehmen wie Schindler.